Der kleine Ole und sein Freund aus dem See


Die Sonne schien, und die Vöglein sangen,
da lief Ole zum See, um einen Fisch zu fangen.
Es sollte ein ganz dicker und ein ganz großer sein,
denn die waren die besten, sie waren lecker, und die schmeckten fein.
Er hatte viel Zeit und die brauchte er auch,
und auch ein gutes Versteck, hinter einem dichten Strauch.
Schon öfters ist Ole zum See gegangen,
hat aber noch nie einen der flinken Fische gefangen.
Er dachte: „Hey, ich ahne es, heute habe ich Glück,
heute komme ich bestimmt mit einen Fisch zurück.“
Er warf seine Angel aus, bis mitten in den See hinein,
dann legte er sich auf die Lauer, gähnte, wurde müde und schlief ein.


„Oh welch ein Weh, oh welch ein Schmerz,
lieber Junge, hab` doch Mitleid, hab` doch ein Herz“,
hörte der Ole aus der Ferne ein ängstliches Stimmchen rufen,
er rieb sich gähnend den Schlaf aus seinen Augen
und fing an, verwundert nach dem Rufer zu suchen.
„Liebes Kind, hab` Erbarmen und lasse mich am Leben,
vielleicht kann auch ich dir eines Tages etwas großes geben“,
hörte Ole und wusste nicht recht wie ihm geschah,
als er einen Fisch an seiner Angel zappeln sah.
„Hab keine Angst“, rief Ole erschrocken „deine Qual ist bald vorbei,
ich löse dich von der Angel, dann bist du wieder frei.“


Kaum hatte der kleine Ole dies getan,
fing der Fisch auch schon zu erzählen an:
„Mein Name ist Justus, und ich lebe hier glücklich mit meiner Frau,
habe über hundert Kinder, das weiß ich ganz genau.
Das Schicksal hat mich zu deiner Angel gelenkt,
aber du mein Freund, hast mir die Freiheit geschenkt.
Hab` Dank, ein langes Leben und viel Glück“,
dann schwamm er in den See zurück.
Eine kleine Freudenträne ist aus Oles Auge geronnen,
hat er doch soeben einen neuen Freund gewonnen.
Er winkte glücklich und machte sich daran,
die Angel einzupacken und trat den Heimweg an.
„Ist egal“, dachte Ole, „es fällt mir auch nicht schwer,
dann knurrt weiter mein Magen und Mutters Pfanne bleibt heute leer.“


Und als Ole so ging, stolperte er über einen Stein,
rutschte aus, und fiel schreiend in den See hinein.
Der war tief, und Ole konnte nicht schwimmen,
er konnte auch keinen Ast erhaschen und damit das rettende Ufer erklimmen.
Er paddelte wild um sich, mit seinen kleinen Beinen und Armen,
aber kein Mensch war am Ufer und konnte sich seiner Not erbarmen.
Nur Justus hat den Schrei vernommen,
er eilte herbei und ist dem Knaben schnell zu Hilfe gekommen.
„Mein Freund“, rief Justus, „keine Angst, nur ruhig Blut,
ich werde dich retten, habe Vertrauen, alles wird gut.“
Dann nahm der Fisch den Ole bei der Hand,
und zog ihn behutsam aus dem Wasser, an das rettende Land.


Völlig durchnässt und noch in Gedanken,
wollte Ole sich bei seinem schuppigen Freund bedanken.
Justus sprach: „Das hab ich doch gern getan, für wahr,
wozu sind denn echte Freunde da.
Auch mein Dank gehört dir, auf ewig und für alle Zeit,
und wenn du mich wieder einmal brauchst, dann bin ich gern bereit,
und trete für dich ein,
so sollte eine echte Freundschaft sein.“
Am Ende und zum guten Schluss,
umarmten sich die beiden,
und Justus gab seinem kleinen Freund noch einen dicken, feuchten Kuss.




Ende

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