Die Geschichte vom müden Weihnachtsmann


Es war ein Tag vor Weihnachten, die Kinder auf der ganzen Welt hatten sich für den Heiligabend so einiges einfallen lassen, um den Weihnachtsmann mit Gedichten und Liedern zu erfreuen, denn er brachte ihnen Geschenke und so mancherlei süße Leckereien.
Doch dieses Mal war alles anders.
Hoch oben, in der Weihnachtsmannwolke, wo sonst der Weihnachtsmann mit seinen kleinen Weihnachtselfen fleißig und emsig arbeitete, herrschte unheimliche Stille. Der große Sack, der eigentlich schon fertig gefüllt sein sollte mit all den Geschenken für die artigen Kinder unten auf der Erde, lag leer vor dem Bett des Weihnachtsmanns, und dieser lag darin und schlief tief und fest.

Keiner der kleinen Helfer war in der Lage den schnarchenden Weihnachtsmann zu wecken. Sie rüttelten ihn, schüttelten ihn und schlugen mit Hölzern auf die Suppentöpfe, aber alles vergebens, der Weihnachtsmann wollte nicht wach werden.
Als man nun endlich den Weihnachtselfenprinz um Hilfe und Rat fragte, kam dem der rettende Gedanke: „Wenn wir nicht in der Lage sind den Weihnachtsmann zu wecken, müssen wir einen anderen bitten, der die morgigen Arbeiten für ihn übernimmt. Aber wer könnte das sein, wer war in der Lage den schweren Sack zu tragen und wer konnte den Weihnachtsschlitten herunter zur Erde führen?
Alle überlegten angestrengt. Einer der Elfen rief: “Und wenn wir Weihnachten dieses Jahr ausfallen lassen würden?“ Ein anderer meinte: „Wir könnten Weihnachten auf einen späteren Zeitpunkt verschieben, solange, bis der Weihnachtsmann aufgewacht ist,“  aber alle diese Vorschläge lehnte der Prinz ab.
„Weihnachten muss stattfinden“, sagte er nachdenklich, „die Kinder warten unten auf der Erde und wären furchtbar traurig, wenn sie keine Geschenke erhielten.“
Der kleinste der Weihnachtselfen rief ganz aufgeregt: „Fragen wir doch den Osterhasen, ob er für den Weihnachtsmann einspringen kann.“ „Das ist eine prima Idee“, riefen alle durcheinander, „ja, fragen wir den Osterhasen.“
Der Elfenprinz nickte zustimmend und erteilte dem Kleinsten den Auftrag schnell zur Osterhasenwolke zu eilen, und den Hasen zu fragen, ob er die Weihnachtsgeschenke an die Kinder verteilen möchte.
Gesagt, getan. Eiligst machte sich der kleine Elf auf den Weg und erreichte bald die Wolke, wo der Osterhase zu Hause war.
„Ich bin doch viel zu klein und auch viel zu schwach, um den großen Sack vom Weihnachtsmann zu tragen“, sagte verwundert der Osterhase.
„Aber wenn wir Elfen alle mit anfassen und dir somit die große Last erleichtern, müsste das doch machbar sein“, erwiderte der Kleine, „denke doch nur an die vielen Kinder, wie traurig sie wären, wenn du an den Ostertagen deine schönen, bunten Ostereier nicht verstecken würdest“.
„Das leuchtet mir ein,“ sprach der Hase nachdenklich, „also machen wir uns sofort ans Werk, denn die Zeit drängt.“
Unten auf der Erde war die Nacht hereingebrochen, und die Menschen schliefen tief und fest, als der kleine Weihnachtself mit dem Osterhasen die Weihnachtswolke erreichte. Alle begrüßten den Hasen auf herzlichste und bedankten sich bei ihm für seine Hilfsbereitschaft.
„Hurtig, hurtig,“ rief der Elfenprinz, „bis heute Abend muss alles erreicht sein. Der Sack muss gefüllt werden, und das Gewand vom Weihnachtsmann muss mit Nadel und Faden für unseren Helfer auf die passende Größe geändert werden.“
Alle Weihnachtselfen eilten hin und her, einige füllten den Sack des Weihnachtsmannes, andere machten sich an dem purpurroten Mantel zu schaffen, und der Rest polierte den himmlischen Weihnachtsschlitten auf Hochglanz.
Als alles fertig war, schauten sie sich zufrieden ihr Werk an. Der Osterhase sah prima aus in seinem weihnachtlichen Gewand, der Sack war prall mit all den Gaben für die Kinder gefüllt, und zwanzig Rentiere, mit silbernen und goldenen Glöckchen geschmückt, waren vor den Schlitten gespannt.
Der Osterhase schwang sich auf das Gefährt und fuhr mit hundert kleinen Helfern von der Weihnachtswolke in Richtung Erde. Von Ferne hörte man noch die kleinen Glöckchen klingeln und den Hasen freudig rufen: „Juchhu, ich bin der Weihnachtsosterhase und komme zu euch, um meine Geschenke zu überbringen.“

Bis alle Kinder beschenkt waren hatten sie alle Hände voll zu tun, und keiner von ihnen bemerkte, dass unter dem Gewand gar nicht der Weihnachtsmann steckte, sondern der Osterhase. Brav wurden Gedichte aufgesagt und die schönsten Weihnachtslieder gesungen, freudig die Geschenke übergeben auch ebenso ausgepackt wie bestaunt. Alles schien wie immer, ein jeder war glücklich und zufrieden.
Als die Arbeit auf der Erde für den Hasen und seine Helfer beendet war, ging es mit dem Schlitten wieder in Richtung Himmel, zurück zur Weihnachtswolke.
Dort lag der Weihnachtsmann noch immer in seinem Bett und schnarchte laut vor sich hin.
Aber die Weihnachtselfen und der kleine Osterhase waren sehr glücklich darüber, dass die Kinder doch noch rechtzeitig beschenkt werden konnten, auch wenn sie wegen dem verschlafenen Weihnachtsmann einen Trick anwenden und somit etwas schummeln mussten. Dieser aber sollte nicht ungestraft davonkommen. Der Elfenprinz und der Osterhase schmiedeten einen Plan, der für den Weihnachtsmann nicht ohne Folgen sein sollte. Er selber sollte, wenn die Osterfeiertage anfingen, statt des Hasen nun die Ostereier verteilen und verstecken.
Als der Weihnachtsmann nun endlich aufwachte und er seinen Schlaf gähnend aus den Augen rieb, hörte er von den Elfen, dass er Weihnachten verschlafen hatte und der Osterhase seine Arbeit verrichten musste.
„Ist ja nicht so schlimm“, gähnte der Verschlafene, „dann bin ich nächstes Jahr wieder pünktlich zur Stelle“.
„Nein, so einfach kommst du mir nicht davon“, sagte böse und enttäuscht der Elfenprinz, „zur Strafe wirst du Ostern zur Erde herabfahren und die Arbeit des Osterhasen übernehmen. Du wirst alle Eier schön bunt bemalen und sie unter jedem Baum und Strauch verstecken, damit die Kinder danach suchen können.“


Der Weihnachtsmann gehorchte zähneknirschend, und als die warme Osterzeit heranbrach, sah man ihn schwitzend in seinem dicken roten Weihnachtsmantel auf allen vieren mit einem kleinen Körbchen voller bunter Ostereier von Gebüsch zu Gebüsch krabbeln.„Oh wie ist mir das peinlich, oh wie schäme ich mich“, murmelte der Weihnachtsmann immer wieder vor sich hin und schwor sich für die Zukunft, nie mehr so lange zu schlafen und immer zur Weihnachtszeit pünktlich aufzustehen und fleißig seinen weihnachtlichen Aufgaben gerecht zu werden.


ENDE


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