Die kleine Laterne Luzi


Es war einmal eine kleine Laterne mit den Namen Luzi. Sie stand in einem schönen Park mit all ihren Schwestern. Luzi war sehr hübsch und auch ein wenig eingebildet auf ihre Schönheit. Sie trug eine Perlenkette und hatte immer ihre kleine Handtasche dabei, in der sie ihre Ersatzglühbirnen verwahrte. 

Am Tage schraubten alle ihre Birnen heraus und machten den ganzen Tag über ein Nickerchen und abends, wenn es dunkel wurde, schraubten sie sie wieder ein und strahlten ihr warmes Licht über die Fußwege und die Sitzbänke.
Des öfteren kam es vor, daß ein kleines Hundchen die Luzi besuchte, sein Beinchen hob und sein kleines Geschäft zu ihren Füßen erledigte. Luzi war darüber sehr empört, konnte aber leider an solch einer Situation nichts ändern.
Wieder einmal, es war am frühen Abend, kam ein Hund daher. Seine kleine Nase beschnupperte die Füße von Luzi und sein kleines Schwänzchen wackelte vor Aufregung hin und her. Luzi war einer Ohnmacht nahe und ihr Licht wurde mal heller, mal dunkler vor Entsetzen. „Nein, nicht schon wieder“, schrie Luzi, „ ich setze langsam Rost an. Und überhaupt, was ist das für ein Benehmen?
Da plagt man sich und pudert jeden Abend seine Nase und dann wird man als Hundeklo benutzt. Nein, ich halte das nicht mehr aus". Luzi empörte sich immer mehr, so sehr, daß ihr die Glühbirne zerplatzte. „Auch das noch“, sagte sie mit weinerlicher Stimme, öffnetete ihr Handtasche, zog ein neues Birnchen heraus und tauschte sie gegen die kaputte aus.
„Mein Maß ist voll“, schimpfte sie. „Ich packe mein Täschchen und gehe fort von hier. Irgendwo muß es ja einen Ort geben, wo meine Anwesenheit geschätzt wird und wo ich von diesen Kötern verschont werde.“
Gesagt, getan. Als sie gepackt, ihre Lippen rot geschminkt und ihre Perlenkette geputzt hatte, machte sie sich auf den Weg durch den Park und durch die dunkle Nacht.
Leider hatte sie keinen Gesprächspartner mehr, denn ihre Schwestern hatte sie ja hinter sich gelassen. Gelangweilt und leise vor sich hinpfeifend, erblickte sie im Gebüsch ein altes Fahrrad, das dort wohl jemand abgestellt hatte. „ Guten Abend“, säuselte Luzi, „ Ich könnte einen Gesprächspartner gut gebrauchen, hättest du nicht Lust, mich auf meinen Weg zu begleiten? Ich könnte dir den Weg leuchten, dann brauchst du da nicht so alleine im dunklen Busch deine Zeit
vergeuden.“ „Nein danke“, grummelte das Rad, „Ich habe selbst eine Lampe. Wenn ich etwas sehen möchte, schalte ich mich selbst an“.
„Ein ungehobelter Bursche“, dachte Luzi so bei sich, ließ es sich aber nicht anmerken, daß es ihr doch peinlich war, solch eine Abfuhr bekommen zu haben
und machte sich weiter auf den Weg zu ihrem unbekannten Ziel.

Wenig später entdeckte Luzi eine alte Parkbank, die sie zu gerne als Ruhestätte benutzt hätte.
„Darf ich Platz nehmen, ich bin auf der Flucht vor diesen gräßlichen Hunden und möchte mein Glück in der Fremde versuchen, wo ich geliebt und geschätzt werde“, flötete Luzi und setzte ihre bemitleidenswerteste Mine auf um wenigstens in der Bank einen Gesprächspartner zu finden.
„Ich habe am Tag genug zu stämmen“, sagte die Bank, „den ganzen Tag kommen die Menschen zu mir, und ich habe in meinem Alter Mühe, diese Lasten zu tragen. Geh nur weiter deines Weges, ich brauche meine Ruhe“.
„Wo bin ich denn nur hier gelandet“, fragte sich die kleine Luzi und zog schnellstens weiter ihres Weges.
Stunden später gelangte sie am Ende des Parks an und sah zum ersten Mal in ihrem Leben eine Straße. Dort fuhren so viele Autos mit ihren bunten Lichtern und es war, als wäre sie auf einen Rummelplatz.
„Das ist ja herrlich“, jubelte Luzi, „so viel Treiben und so viel Leben. Hier werde ich mich niederlassen und mir einen schönen Platz suchen“.
Sie sah sich genauer um und erstarrte. Es sagte „peng“ und Luzi stand im Dunkeln. Wieder einmal ist bei ihr eine Birne durchgeknallt. Diesmal hatte es aber einen anderen Grund. Was sie dort vorne sah, ließ sie erzittern. Ein stattlicher Herr stand dort mitten auf der Straße und leuchtete in den schönsten Farben. Einmal grün, dann gelb und dann rot.

Schnell wechselte sie ihre Birne aus, wischte sich über ihre Scheiben und setzte ihr schönstes Lächeln auf, als sie auf ihn zuging.
„Guten Abend“, sagte Luzi mit bebender Stimme, „Mein Name ist Luzi....“.
Weiter kam sie nicht, denn sie hatte das Gefühl gleich würde sie in sich zusammenbrechen. „Gestatten, mein Name ist Baron von Ampel“, hörte sie wie aus weiter Ferne zu sich eine tiefe Stimme sagen. „Welche Schönheit hat sich denn hierher verlaufen?“ Luzi erzählte mit zitternder Stimme von ihrem Aufbruch aus den Park, und das sie eine neue Bleibe suche. „Dann, mein schönes Kind, bist du hier richtig“ sagte Herr Ampel, „bleibe bei mir und genieße mit mir zusammen das Straßenleben. Stell dich an meine Seite, und wir beide werden den Autos den Weg weisen.“ Gerne willigte Luzi ein, und sie blieb für immer bei ihrem Baron. Ihr Glück konnte sie kaum fassen, zumal sie einige Zeit ein kleines Kind in ihren Armen hielt....................ihre süße kleine Taschenlampe!




Ende

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