Vom kleinen Fienchen und ihrem Zauberstöckchen

 
 

Einst saß Fienchen traurig auf ihrem Bett,
sie dachte an Bratkartoffeln mit Spiegelei, fein geröstet in reichlich Fett.
Auch könnten es Nudeln sein,
lecker mit Soße, Tomaten oder Paprika,
aber ihr Schränkchen war leer, kein Krümel war zum knabbern da.
Sie sank in ihr Kissen, ihr knurrte der Magen,
dann schlief sie ein und träumte von besseren Tagen.


Am nächsten Morgen, beim ersten Hahnenschrei,
ihr Hunger war noch immer nicht vorbei,
glaubte sie nicht, was sie da sah,
in ihrem Bettchen lag ein Stöckchen,
sie dachte: „Nanu, der war doch gestern noch nicht da?“
Dann ganz flink und elegant, nahm sie das Stöckchen in die Hand.
„Nicht so grob, du böses Kind“, rief das Stöckchen,
„leg mich wieder hin, schnell, schnell, rasch und geschwind!
Sei ganz zärtlich auch dabei, dann hast du bei mir zwei Wünsche frei!“


Schnell legte Fienchen behutsam und sanft den Stock zurück,
deckte ihn zu und sprach: „Du kommst zur rechten Zeit,
mir knurrt mein Magen, du bringst mir Glück.
Ich habe Hunger, möchte an Kuchen, Torten und an Pudding naschen,
aber mein Schränkchen ist leer, habe auch keine Taler in den Taschen.
Mein erster Wunsch,  und bitte lass mich nicht so lange warten,
ist ein riesengroßer Kuchen, mit viel Sahne und Früchten,
am besten mit denen, aus des Nachbarn Garten.
Danach würde ich ein Eisbein, einen Schweinebraten oder
auch viel Entenbrust vertragen,
und was ich dann noch möchte, werde ich dir etwas später sagen“.

Es surrte und knarrte, dann kam ein großer Zisch,
und Fienchen stand vor einem reich gedeckten Tisch.
Sie machte sich daran, von all den Leckerein zu essen,
und hat darüber hinaus die Zeit für ein ganzes Jahr vergessen.
Die guten Gaben im Schränkchen und auf dem Tisch, sie wollten nicht enden,
zuerst aß Fienchen brav mit Löffel, Messer und Gabel,
später dann nur noch mit ihren Händen.
Sie wurde immer schwerer, dicker und dann unbehände,
das Fett lief ihr am Mund herunter, fettig waren auch die kleinen Hände.
Doch zum Aufhören sah sie keinen Grund,
am Ende war sie hässlich, dick und rund.


Als das kleine Stöckchen dann aus seinem Schlaf erwachte,
sah es mit Schrecken, was das kleine Fienchen machte.
„Was fällt dir ein, du dummes Kind“ rief es,
„schau in den Spiegel, schnell, schnell, geschwind.
Nur gegessen hast du, ohne zu denken, immer mit Wonne,
nun siehst du aus wie ein Fässchen, ach was sag ich, wie eine Tonne.
Wie kannst du nur so etwas machen,
die anderen Kinder werden dich verhöhnen und über dich lachen.
Sei gescheit, lass die Finger vom fetten Essen und vom süßen Punsch,
überleg dir mit Klugheit, den zweiten und deinen letzten Wunsch.

Als Fienchen in den Spiegel sah, musste sie sich eingestehen,
so dick und rund wollte sie nicht bleiben, so konnte es nicht weitergehen.
Sie sprach zum Stöckchen, flink und keck:
„Oh bitte, ich wünsch mir meine angefutterten Pfunde weg.
Möchte wieder schlank sein, wie einst in früheren Tagen,
ich verzichte auf all die schönen Leckereien,
möchte lieber ab und zu mal wieder Hunger haben.
Fort mit den süßen Kuchen und fort mit der leckeren Soße,
mir passt kein Hemdchen mehr, kein Kleidchen und auch keine Hose.


Es surrte und knarrte, dann kam wieder ein großer Zisch,
es waren fort, die süßen Kuchen, die Braten mit Soßen,
leer waren wie einst, das Schränkchen und der Tisch.
Auch das kleine Fienchen war wieder rank und schlank,
zum Stöckchen sagte sie glücklich: „Hab vielen Dank.
Nie wieder werde ich nach soviel Naschwerk streben,
werde von nun an gesund, besonnen und vernünftig leben“.
Das Stöckchen stimmte dem Fienchen zufrieden zu und sprach:
„Na dann, bis bald“, und verschwand dorthin, wo es einmal hergekommen,
zurück in den tiefen Wald.


Ende

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